So viel ist Ihre Immobilie wirklich wert (Artikel aus "Welt"- Autor Michael Fabricius)

Die emotionale Bindung an ihr Eigenheim trübt bei vielen Hausherren den Blick auf den wahren Wert. Sie halten sich für reicher als sie sind. Denn vor allem die Preise älterer Gebäude sinken stetig.  

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Mein Kommentar:

Der Artikel entspricht den Tatsachen, soweit es die überzogene Werteinschätzung von Besitzern älterer Häuser angeht. Meistens stellen die sich Phantasiepreise vor, weil sie vergessen, dass ihr Haus jedes Jahr an Wert verliert (Alterswertminderung), genau wie beim Auto. Da aber in Ballungsräumen mehr Nachfrage als Angebot besteht, werden auch die alten Häuser oft weit über dem reinen Sachwert verkauft. Was die Empfehlung dieses Artikels betrifft, dass Hausverkäufer Bewertungstools der Immobilienbörsen nutzen sollen um den Marktwert ihres Hauses zu ermitteln, halte ich für fatal. KEINE diese Bewertungsprogramme wirft einen seriösen und realistischen Marktwert aus! Das Bewertungsergebnis ist abhängig von dem Datenbestand der jeweiligen Immobilienbörsen. Je nach Standort sind Objekte dann völlig über- oder auch unterbewertet" Außerdem werden hier Angebotspreise als Grundlage für die Berechnung herangezogen, Angebotspreise liegen aber oft 20% oder mehr über den tatsächlichen Verkaufspreisen. Also müssten die "Do-it-yourself-Gutachter" mal von vornherein 20% von dem sogenannten "Marktwert" abziehen. Aktuelles Beispiel: Haus wurde von v.P. Immobilien zum Phantasiepreis von 720.000€ angeboten, irgendwann auf 599.000 € reduziert und nach einem Jahr noch nicht verkauft. Die Eigentümer haben jetzt privat für 550.000 € einen Käufer gefunden (Ich hatte 552.000 € Marktwert ermittelt-reiner Sachwert der Immobilie 425.000 €). Die 720.000€ lagen 31% über tatsächlichem VK und die 599.000€ 9% darüber. Beide falschen Werte (da keine Verkaufspreise) fliesen aber in die sogenannte Wertermittlung des Immobilienportals ein. Der Echte Verkaufspreis wird nicht berücksichtigt. Diese "Wertermittlungen" sind also völlig unbrauchbar! KEIN Laie kann eine Wertermittlung durchführen, dafür gibt es Fachleute die monatelang die Schulbank gedrückt haben und tausende Euro Ausbildungs- und Prüfungsgebühren bezahlt haben. Wie kann nur irgendjemand auf die Idee kommen, dass eine Bewertung die 5 Minuten dauert und 20 € kostet einen realistischen Wert ausgibt? Ich bin geprüfte Wertermittlerin und seit über 20 Jahren Maklerin. Ich führe Wertermittlungen mit einer Profisoftware für Gutachter durch. Oft vergleiche ich die dort nach gesetzlichen Richtlinien ermittelten Werte mit Ergebnissen aus den Schnellbewertungen der Immobilienportale. Fazit: Abweichungen von mehr als 30% nach unten + oben sind die Regel! Eine solide Ausbildung und die langjährige Erfahrung und Marktkenntnis sind entscheidend für die Ermittlung eines realistischen und seriösen Marktwertes einer Immobilie. Ohne fundierte Marktkenntnisse kann auch ein reiner Gutachter mit seinem zwar fachlich korrekt ermittelten Wert danebenliegen, wenn er, anders als ein erfahrener Makler keine Kenntnisse darüber hat, welche Art von Immobilien oder Lagen gerade besonders hoch im Kurs der Käufer stehen. Auch wenn Fachleute Geld kosten und die Deutschen sich nach wie vor schwer tun eine Dienstleistung auch bezahlen zu wollen, sollte man sich an einen Profi wenden wenn man kein Geld beim Immobilienverkauf verlieren will. Es gibt sehr viele, sehr gut ausgebildete Immobilienprofis, die auch ihr Geld wert sind! Kleiner Tipp: Die Größe oder der exklusive Namen eines Immobilienbüros sagt nichts über die Qualität der Mitarbeiter aus. Wählen Sie möglichst einen Makler aus Ihrer Umgebung, schauen Sie sich seinen Internetauftritt an: Wie lange ist die Firma am Markt? Worauf sind sie spezialisiert? Wie viele Objekte dieser Art wurden bereits verkauft? Gibt es Referenzen? Werden Ausbildungsnachweise erbracht? Haben Sie einen festen Ansprechpartner, oder sind Sie nur Kunde XY, der von irgendwem betreut wird? Wird Ihnen alles versprochen was Sie hören wollen, oder erhalten Sie sachlich fundierte Aussagen? Letztlich spielt natürlich auch die Sympathie und das Vertrauen eine große Rolle, also scheuen Sie sich nicht mit mehreren Immobilienmaklern zu sprechen um dann mit dem Besten einen Vermittlungsvertrag abzuschließen.

Makler, die ohne Alleinauftrag arbeiten und keine Fachausbildung nachweisen können, sollten Sie von vornherein ausschließen. Sogenannte Empfehlungsportale für Makler halte ich auch für sehr fragwürdig, weil diese entweder an Organisationen angeschlossen sind und nur die eigenen Makler empfehlen, oder die gelisteten Makler für den Eintrag der Empfehlung im Portal bezahlt haben. Neutral ist das jedenfalls nicht. Fragen Sie lieber in der Nachbarschaft bei Verkäufern oder Käufern nach einer Empfehlung für einen Immobilienprofi, der Ihnen für wenig Geld eine realistische Immobilienbewertung erstellt, oder im Zusammenhang mit einem Vermarktungsauftrag diese sogar kostenlos anbietet.

Sylvia Pieroth

 

- Abgeordnete im Bundeskongress Immobilienwirtschaft

- geprüfte Immobilienbewerterin für Wohnimmobilien BVFI

- Immobilienmaklerin & Hausverwalterin seit 1995

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am 16.01.2017